Meine Region - Meine Heimat - Meine BayernwelleKostenlose Sender Hotline: 0800 777 333 2WhatsApp Nummer: 0151 568 781 34
Derzeit läuft: Dermot Kennedy - Power Over Me
ANZEIGE

12.06.19

Wenn die Innenstadt "dodelt"

Freilassing - Vor einigen Monaten hat der letzte Metzger in der Freilassinger Innenstadt geschlossen. Geschäfte sperre zu und es kommen keine neuen nach. Das Aussterben der Innenstädte kann viele Gründe haben. Die Stadt Freilassing ist da nur ein Beispiel von vielen.

Freilassing fehlt es nicht an Apotheken und Optikern, an Döner-Buden und Piercing-Studios. Dafür gibt es in der Innenstadt keinen Metzger mehr und die Vielfalt im Einzelhandel bleibt überschaubar. Die Gründe dafür können vielfältig sein, sagt Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher im BAYERNWELLE-Interview.

 

mein-freilassing.de

Der große Online-Konkurrent

Mit das größte Problem, mit dem der Einzelhandel vor Ort zu kämpfen hat ist der Online-Handel. Darin sind sich Bürgermeister und Anni Klinger vom Wirtschaftsforum Freilassing einig. Vor allem jüngere Menschen kaufen immer mehr bei Amazon, Zalando und ähnlichem; kleine Geschäfte vor Ort können keine Online-Shops bedienen. Ihnen fehlen Auswahl, Personal und finanzielle Kapazitäten. Die Stadt Freilassing hat versucht mit der Online-Plattform "Mein Freilassing" entgegen zu wirken. Lokale Geschäfte haben sich zusammengeschlossen und bieten ihre Produkte gemeinsam im Internet an. Bürger können so online die Waren nicht nur anschauen und ggf. vor Ort einkaufen, sondern auch direkt im Internet ihre Waren ordern. Das Angebot wird mäßig genutzt, es fehlt ein "Kümmerer", der die Plattform betreut, so WiFo und Stadtverwaltung.

 

Die Stadt muss am Erscheinungsbild schrauben

Freilassing Fußgängerzone 3

Im Beispiel von Freilassing ist auch das Erscheinungsbild ein Problem, dass zur fehlenden Frequenz beiträgt. "Es wird einfach alles angesiedelt - ohne vernünftiges Konzept", schreibt BAYERNWELLE-Hörer Markus auf Instagram. Ihm fehlt das einladende Erscheinungsbild in der Innenstadt. Auch dessen ist sich Bürgermeister Josef Flatscher bewusst. Erst kürzlich hat die Stadt einen Stadtplaner beauftragt, der ein sogenanntes Gestaltungs-Handbuch entwickelt. Darin sind Ansätze ausgearbeitet, die in der Freilassinger Innenstadt ein ansehnliches und stimmiges Gesamtbild ermöglichen. 

Ein weiteres "Manko", so Freilassings Bürgermeister im BAYERNWELLE-Interview ist der fehlende historische Stadtkern. Andere Städte, wie beispielsweise Laufen oder auch Salzburg profitieren davon in ihrem Erscheinungsbild. Freilassing als verhältnismäßig junge Stadt könne damit nicht punkten. Die frühere Gemeinde Salzburghofen profitierte durch den Bau der Eisenbahn und des Grenzbahnhofes. Erst in den 20er Jahren wurde aus Salzburghofen Freilassing; erst Mitte der 50er Jahre wurde Freilassing zur Stadt. Zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt von einem Bombenangriff schwer getroffen.

 

Freilassing Fußgängerzone 4

Der Mix macht's

"Mir fehlt manchmal die Vielfalt", schreibt BAYERNWELLE-Hörerin Viktoria auf Instagram. Sie sieht vor allem darin den Grund für das Sterben der Innenstädte. Der Branchen-Mix ist in der Tat eine Herausforderung, die schwer zu meistern ist. Das Wirtschaftsforum hat darauf keinen Einfluss, sondern ist vom Vermieter der leerstehenden Immobilien abhängig. Auch die Stadt Freilassing hat keine Handlungsbefugnis einen Branchen-Mix  in der Innenstadt festzulegen. Einkaufszentren, wie beispielsweise der Europark in Salzburg haben es da bedeutend einfacher, so Klinger vom WiFo im BAYERNWELLE-Interview; der Europark kann selbst bestimmen, wer sein Geschäft eröffnet und wer nicht.

Als weiteren Grund nennt Anni Klinger vom Wirtschaftsforum Freilassing die fehlende Verkaufsfläche. Viele Geschäfte suchen Läden mit mehreren hundert Quadratmetern, in Freilassing seien die Verkaufsflächen aber zu klein. Viele Gewerbeflächen in der Innenstadt sind ursprünglich keine Gewerbeflächen, sondern umgebaute Wohnung.

Dazu kommen die Dienstleister. Wenn es einmal losgeht, dass sich Dienstleister in der Fußgängerzone ansiedeln, dann geht es weiter. Gemeint sind damit Friseursalons, Apotheken oder Anwälte. "Der Einzelhandel nimmt ab und Dienstleister ziehen mehr in die Innenstadt. Das ist natürlich für uns in der Stadt nicht unbedingt super. Frequenz-Bringer ist nämlich der Einzelhandel", so Klinger. 

Ein Frequenzbringer ist in Freilassing aber definitiv der Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag. Dann ist Leben in der Stadt; ist das Wetter gut, dann bleiben die Besucher auch. Freilassings Bürgermeister hält Freilassing nach wie vor für eine Einkaufsstadt, das aber vor allem in Bezug auf ein paar Branchen. Lebensmittel und Drogerieprodukte punkten nach wie vor. Täglich fahren hunderte Österreicher über die Grenze, um hier ihren notwendigen Dinge zu kaufen. "Wenn ich einen Warenkorb in Freilassing zusammenstelle, dann ist der hier mit Sicherheit günstiger als in Salzburg.", so Klinger. Sie sieht das auch als ganz "gesund" für Freilassing; das Einzige, was hindere seien die Grenzkontrollen, so Klinger weiter. Seit den Grenzkontrollen im Herbst 2015 is der Umsatz beim Einzelhandel zwischen 25% und 30% eingebrochen und das lasse sich nur schwer wieder umkehren.

 

Den einen ausschlaggebenden Grund für das Sterben der Innenstädte zu finden ist schwer. Neben dem Kampf gegen Online-Riesen ist auch die Politik gefragt. Jüngst hat Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU wieder angekündigt den ländlichen Raum zu stärken. Denn auch Infrastruktur, Arbeitsplätze und Lebensqualität sind ausschlaggebend für das Florieren der Innenstädte.

 

Kaufen Sie lokal oder online? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab bei unserer "Frage der Woche". Hier auf bayernwelle.de oder auch bei der BAYERNWELLE auf Facebook und Instagram.

 

 



Baulogo Maug Titan Klammer 165x135Baulogo Maug Titan Klammer 165x135
Logo Partner RupertusthermeLogo Partner Rupertustherme
Logo Partner Jobst WohnweltLogo Partner Jobst Wohnwelt
Logo Partner Dummy24Logo Partner Dummy24
Logo Partner Dummy6Logo Partner Dummy6
Logo Partner Gut EdermannLogo Partner Gut Edermann